Aufgrund der steigenden Anzahl von Blutegelbehandlungen in den letzten 30 Jahren kam die Frage nach einer möglichen Infektionsgefahr durch Blutegel auf.
Eine mögliche Infektionsquelle bei einer Behandlung mit Blutegeln ist der Blutegel selber. In seinem Darm befinden sich Symbionten, die für die Verdauungstätigkeit des Blutegels von großer Bedeutung sind. Einer dieser Darmbakterien ist Aeromonas hydrophila, das proteolytische Enzyme produziert. Natürlicherweise kommt dieses Bakterium auch in Wasser und Erde vor. Es kann also auch durch Kontakt mit Wasser oder Erde in eine Wunde gelangen und Wundinfektionen auslösen. Außer im Darm findet man A. hydrophila noch an den Saugnäpfen und im Schleim auf der Haut der Blutegel. Blutegel stellen deshalb eine potentielle Infektionsquelle für Wundinfektionen mit A. hydrophila dar. Im Sekret des Blutegels dagegen sind die Bakterien nicht zu finden.
In der Weltliteratur finden sich allerdings bisher nur wenige Veröffentlichungen über eine Infektion durch A. hydrophila. Bei den meisten der veröffentlichten Fälle handelt es sich um lokale Wundinfektionen. Zur Bakteriämie mit systemischer Ausbreitung der Erreger kam es nur bei immunsuppremierten Patienten (s. Kontraindikationen). Keiner der Fälle endete letal. Die Infektionen ließen sich mit Antibiotika rasch kontrollieren.
Durch folgende Maßnahmen kann das Infektionsrisiko fast vollständig beseitigt werden. Dies betrifft nicht nur Infektionen mit A. hydrophila, sondern auch die durch andere Erreger, die sich im Darm als Symbiont oder durch Nahrungsaufnahme befinden:

 

  • Beachten der Kontraindikationen.

  • Blutegel nur einmal verwenden und nach der Anwendung sofort töten! 

  • Blutegel vor dem Ansetzen in abgekochtes Wasser geben. Dadurch wird die Gefahr der Kontamination der Wunde durch Erreger auf der Haut oder im Schleim auf der Haut des Egels verringert.
  •  Blutegel dürfen nur auf Gewebe mit intakter Durchblutung angesetzt werden. Ischämische oder defekte Hautareale sind kontraindiziert.
  • Das Quetschen der Egel oder gewaltsames Abreißen der Tiere während des Saugens muss auf jeden Fall vermieden werden. Ein Erbrechen, das einen möglichen Infektionsweg darstellt, wird dadurch verhindert. Nur durch das Einspritzen des Sekretes werden nach heutigem Kenntnisstand keine Erreger übertragen.

  • Eine Antibiotikaprophylaxe vor der Therapie bis zum Verheilen der Wunden ist nur in chirurgischen Abteilungen (z. B. bei Re- oder Transplantationen) sinnvoll.

  • Die Nachblutung sollte nicht gestoppt werden, da sie einen Mechanismus der Wundreinigung darstellt.

Über Infektionen durch andere Darmsymbionten oder durch Erreger, die der Blutegel während einer früheren Mahlzeit zu sich genommen hat, wurden nach unserem Kenntnisstand noch nicht berichtet. In In-Vitro-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass eine Übertragung von Erregern, die mit einer Mahlzeit aufgenommen wurden, innerhalb von ein paar Tagen noch möglich war. Wurde nach dieser Zeit eine Behandlung mit den infizierten Tieren durchgeführt, erfolgte keine Übertragung der Erreger mehr. Eine Behandlung mit einem vor ein paar Tagen gefütterten Tier ist in der Praxis nicht möglich, wenn man die Tiere nicht künstlich nach einer Mahlzeit erbrechen lässt und sie mehrmals verwendet. Dies ist durch den oben aufgeführten Maßnahmenkatalog nicht möglich.
Ausgeschlossen werden kann nicht, dass durch die Anwendung von Blutegeln Viren, Bakterien oder andere Krankheitserreger übertragen werden können. Informationen über Ereignisse beim Menschen liegen uns zurzeit jedoch nicht vor.
Ebenfalls auftreten können sekundäre Wundinfektionen. Diese sind wie bei jeder Wunde möglich. Ursache dafür können z.B. eine Reizung durch Reibung eines Kleidungsstückes (z.B. Schuh, Kragen usw.) oder Kratzen (durch den starken Juckreiz) sein. In den meisten Fällen lassen sich diese Infektionen durch hygienische Maßnahmen während der Behandlung und entsprechende Verhaltensregeln für den Patienten nach der Blutegelbehandlung vermeiden.

Nach unseren Erfahrungen in über dreißig Jahren Blutegeltherapie treten die Symptome einer Infektion, v.a. einer Wundinfektion aufgrund einer Kontamination, in der Regel erst einige Tage nach einer Blutegelbehandlung auf. In ihrem Erscheinungsbild mit Infiltration, Rötung und Schwellung kann man sie nur schwer von der sehr häufigen lokalen Reaktion unterscheiden. Allerdings tritt die Lokalreaktion schon im Zeitraum einiger Stunden nach der Blutegelbehandlung auf, wohingegen die Infektion sich erst später bemerkbar macht.
Bei den über 10.000 in diesem Zeitraum durchgeführten Blutegelbehandlungen in der naturheilkundlichen Praxis von Frau Moser  ist noch kein Fall einer Infektion aufgetreten, der eindeutig auf eine Infektion mit A. hydrophila zurückzuführen gewesen wäre. Die wenigen Infektionen aufgrund von sekundärer Kontamination der Wunde waren eher im Sinne einer Reizung als einer Infektion zu sehen und konnten mit ASS, ohne begleitende Antibiotikatherapie, komplikationslos behandelt werden.