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Blutegel sind bei allen Erkrankungen, die durch Durchblutungsstörungen entstehen oder mit Durchblutungsstörungen einhergehen, indiziert. Aber auch bei vielen anderen Erkrankungen kann man Erfolge mit der Blutegeltherapie verzeichnen. Allerdings beruhen diese Angaben auf den individuellen Erfahrungen einzelner Behandler.

Es existieren einige Studien, in denen die Erfolge der Blutegeltherapie bei Kniegelenksarthrose getestet wurden. Die Ergebnisse zeigen durchweg gute Erfolge der Blutegeltherapie bei Kniegelenkarthrose.
Studien über andere Einsatzgebiete der Blutegel sind uns nicht bekannt.

 

Indikationen für eine Blutegelbehandlung

bei allen arteriellen und venösen Gefäßerkrankungen wie z.B.

Varikosis

Thrombosen

Thrombophlebitis

Ulcus cruris

Besenreiser

Perianalvenenthrombose

Hämorrhoiden

Arteriosklerose

Apoplexie

Angina pectoris

Myokardinfarkt

M. Raynaud

Diabetes mellitus

Tinnitus

Trans-/Replantationen

 

Erkrankungen mit Spannungszuständen wie z.B.

Migräne

Spannungskopfschmerzen

Wadenkrämpfe

Dysmenorrhoe

Myogelosen

 

Weitere Erkrankungen wie z.B.

Abszesse

Furunkeln

Panaritien

Menstruationsstörungen

 

Schmerzerkrankungen wie z.B.

Wirbelsäulenbeschwerden

Arthrosen

periarthrale Schwellungen

rheumatoide Arthritis

Weichteilrheumatismus

Zerrungen

Prellungen

Verstauchungen

Muskelfaserrisse

Muskelschmerzen

Tendinosen

Frakturen

Hämatome

Neuralgien

Bandscheibenprolaps

Narbenbeschwerden

 

In jedem Fall ist der Einsatz der Blutegel bei allen Erkrankungen mit dem Therapeuten zu besprechen. Dieser entscheidet dann, ob die Blutegeltherapie in diesem Fall sinnvoll ist, wo die Blutegel angesetzt werden, wie (lokal oder segmental) und wie viele.

 

 

19. Jahrhundert

19. Jahrhundert

In den vorangegangenen 2000 Jahren stand die Blutegeltherapie gleichberechtigt neben Aderlaß und Schröpfen. Auch das Anwendungsgebiet blieb relativ konstant. Dies änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit Blutegeln wurde in zunehmendem Maße behandelt. Aufgrund der modernen Ansichten der Krankheitsentstehung waren Blutegel bei jeder Krankheit als Heilmittel indiziert. Sie wurden in ungeheuren Mengen angesetzt. Es wurden bis 100 Blutegel pro Krankheit verwendet!

In Frankreich stieg die Blutegeleinfuhr zwischen 1827 und 1850 von 33,6 Millionen auf 100 Millionen Blutegel pro Jahr an. Doch der "Vampyrismus", wie man diese Entwicklung bezeichnete, blieb nicht auf Frankreich beschränkt. Er breitete sich über Europa und sogar viele außereuropäische Länder, unter anderem auch die USA, aus. Blutegel waren die wichtigste medizinische Handelsware.

Dieser enorme Verbrauch von Blutegeln und die zunehmende Zerstörung der Lebensräume durch die Industrialisierung verringerte die natürlichen Bestände der Blutegel rapide. Es gab Gegenden in Deutschland, in denen lebten Menschen ärmerer Klassen ausschließlich vom Blutegelfang. Schon in den 30er Jahren des 19. Jhr. waren die Blutegel in Deutschland fast ausgerottet. Mitte des 19. Jhr. mußten die Tiere aus Ägypten, Syrien, der Türkei, Rußland und Zentralasien importiert werden. Überall in Europa entstanden Zuchtanlagen.

  Behandlung eines Königs mit Blutegeln.
Miniatur aus Boccaccios Decamerone.

Ab Mitte des 19. Jhr. kamen die Organpathologie von Virchow und Kenntnisse der Bakteriologie und Asepsis auf. Dies führte zu einem deutlich rückläufigen Verbrauch an Blutegeln. Die Blutegeltherapie verlor mehr und mehr an Bedeutung. Sie wurde völlig aus der wissenschaftlichen Medizin verdrängt und nur noch in der Volksmedizin und Naturheilkunde angewendet. Trotzdem importierte Frankreich noch Ende des 19. Jhr. etwa 16 Millionen Blutegel pro Jahr, ebenso viele England. Der Verbrauch in Deutschland betrug immer noch 25 Millionen Tiere pro Jahr und der Export in außereuropäische Länder von Hamburg aus 30 Millionen Egel pro Jahr.

  Blutegel als Ärzte
Karikatur von Grandville, 1829

20. Jahrhundert

20. Jahrhundert


Bis in die zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts blieb es ruhig um die Blutegeltherapie. Dann erschienen in Frankreich erste Berichte über Therapieerfolge mit Blutegeln bei der Behandlung der Thrombose und Thrombophlebitis (Termier, 1922). Diesem folgten weltweit weitere Veröffentlichungen über den Einsatz von Blutegeln. Es kam zu einer Renaissance dieses uralten Heilverfahrens. Blutegel wurden wieder bei den verschiedensten Indikationen eingesetzt.

Stark gefördert wurde die Blutegeltherapie durch Bernhard Aschner. Aufgrund seiner Lehre der Konstitutionstherapie gab es eine Fülle von Indikationen. Durch den Frankfurter Arzt Heinz Bottenberg wurde die Blutegeltherapie weltweit verbreitet. Sein Buch "Die Blutegeltherapie" (1935) ist heute noch eine Standardwerk auf diesem Gebiet. Darin beschreibt er die örtliche und allgemeine Wirkung von Blutegeln. Seinen Erkenntnissen nach ist die Blutegelwirkung lokal gerinnungshemmend, lymphstrombeschleunigend, antithrombotisch, immunisierend, schmerzstillend und gefäßkrampflösend. Dazu kommt noch die allgemein erleichternde, blutreinigende und entgiftende, entzündungshemmende, krampflösende und beruhigende, aufsaugende und immunisierende Wirkung.

Ende des zweiten Weltkrieges nahm das Interesse an der Blutegeltherapie ab, nachdem sich zuerst Heparin und dann Marcumar zur Thrombose- und Embolieprophylaxe und -therapie durchsetzten. Doch immer wieder erschienen Berichte über Erfolge durch eine Behandlung mit Blutegeln. 1955 veröffentlichte Karl-Otto Kuppe das Buch "Der Blutegel in der ärztlichen Praxis". Insgesamt aber war das Interesse an einer Therapie mit Blutegeln nur noch gering. Anfang der 80er Jahre wurde ein neues Anwendungsgebiet für die Blutegeltherapie entdeckt: die Mikrochirurgie (Foucher et al. 1981). In den folgenden Jahren bis heute wurden die Anfangserfolge der Blutegeltherapie auf dem Gebiet der Mikrochirurgie bestätigt. Bei venösen Stauungen von Re- oder Transplantaten werden Blutegel seitdem in immer größerem Umfang angewendet.